
Leben in Bezogenheit auf das, was grösser ist
Für Carl Gustav Jung, Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, war ein lateinisches Sprichwort von so grosser Wichtigkeit, dass er es in Stein meisseln lies. Es handelt sich um das Sprichwort Vocatus atque non vocatus deus aderit – Gerufen oder nicht gerufen, Gott wird anwesend sein.

Wiederherstellung der Ordnung
Es geht doch nichts über einen handwerklich soliden Krimi. Das denke ich, als ich „Tod an heiliger Stätte“ von P. D. James zuschlage. Zeitweilig versinken in eine Welt, in der Recht und Gerechtigkeitsempfinden genüge getan wird. Für mich ein probates Mittel gegen die Sinnlosigkeitsepidemie dieser Zeit.

Vom göttlichen Wahn des Lesens
„Der Name der Rose“ entfaltet in seiner Komplexität und Vielschichtigkeit seinen Sog auf mich. Die Perlentaucherin in mir ist begeistert, auf jeder Seite, ja fast in jedem Absatz fündig zu werden. Ich liebe ich es, mir Schritt für Schritt eine ferne Welt zu erschliessen. Um meinen Lesesessel herum türmen sich Bücher, Notizen, mein MacBook für Recherchen, Teebecher, Bonbonpapier. Als ich anfange, mich über Studiengänge in Mediävistik (Mittelalterforschung) zu informieren, merke ich, dass ich in einem kleinen Wahn bin. Oder ist Manie das bessere Wort?

Toxische Scham & Selbstregulation
Nach Heller und Doerne sind es schambasierte Identifikationen, die uns im tiefsten Sein ausmachen. Sie sind der Motor für zahlreiche bewusste und unbewusste Verhaltens-, Erlebens- und Reaktionsmuster. Schambasierte Identifikationen sind wie stetes Gift, das tagtäglich feindosiert in unser System träufelt und uns unserer Lebenskraft raubt. Deshalb sprechen Heller und Doerne auch von toxischer Scham.

Brief an meinen Parasympathikus
Lieber Parasympathikus, leider kennen wir beide uns gar nicht so gut. Weil ich jahrelang … ach, was schreibe ich da … jahrzehntelang deinem Gegenspieler, den Sympathikus, den Vorzug gab. Das geschah nicht in böser Absicht. Das geschah eigentlich in überhaupt keiner Absicht. Ich kannte den Sympathikus viel besser als dich. Der ist ja auch echt…

Ihr müsst mehr Dorf in euer Leben lassen!
Ein buddhistischer Mönch, der unglaubliche Essenssmengen vertilgt. Ein Optiker, der sich von seinen inneren Stimmen anrempeln lässt. Ein Gewichtheber mit tragischem Ende. Eine Grossmutter, die von Okapis träumt. Ein Dorf, in dem sich niemand an eine Liste hält. Aus all dem und noch Vielem mehr hat Mariana Leky ein wundervoll melodisches, unaufdringliches Buch gestrickt.

Ein Rächer wandelt sich
Verraten. Verlassen. Unschuldig. Isoliert auf einer Insel. Unter grausamsten Bedingungen in Haft. All das ist Edmond Dantès. Eine schier aussichtslose Situation und er ist nah dran, aus dem Leben auszuchecken. Doch Dank einer glücklichen Fügung gelingt ihm die Flucht, er kommt zu unermesslichen Reichtum. Und, vor allem: Edmond Dantès rächt sich als Graf von Monte Christo erfolgreich an denen, die ihm Unrecht taten. Daraus sind Heldenepen gestrickt.

Nüchternheit als Qualität
So kurz, so knapp, so kontextfrei steht er da: „Jesus spricht: Werdet Vorübergehende.“ Es ist der kürzeste Satz im Thomas-Evangelium. Er ist so kurz formuliert, dass er selbst beinahe an mir vorbeigeht. Aber nur beinahe, ich bleibe an ihm hängen.